Wer war wirklich Johannes Petreius in Nürnberg?

Johannes Petreius von Nürnberg

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Johannes Petreius von Nürnberg

Bei meinen Recherchen über die Basler und Nürnberger Flugblätter bin ich auf einen Mann gestossen, den ich sogar als einer der stillen Reformisten des Mittelalters und der Reformation betrachte. Leider habe ich aber nicht genügend Daten zu dieser Person gefunden.

johannes petreius wege und reisen
Die Wegen und Reisen des Johannes Petreius
zwischen 1497 und ca. 1523.

Steckbrief: Johannes Petreius (aus verschiedenen Quellen)

Johannes Petreius (Hans Peterlein (oder Perlein, Petri), geboren um den 1497 in Langendorf bei Bad Kissingen (Hammelburg), 18. März 1550 in Nürnberg, war ein deutscher Holzschnitzer und Drucker.

  • Vater: Petrus Peter d. J. (ca. 1456-?).
  • Mutter: unbekannt.
  • 1. Heirat: um 1523 Barbara (?-1545), die Schwester von Johann Neudörfer d.Ä. (1497-1563).
  • 2. Heirat: 3.8.1545 Anna Bauer, Witwe des Tuchmachers Lienhard Dürnhöfer.
  • Kinder: 1 Sohn, 3 Töchter aus 1. Ehe.


  • 1535, nach dem Tod des Druckers Friedrich Peypus (1485-1535) galt Petreius als bedeutenster Drucker Nürnbergs.

    Er veröffentlichte ab 1536 circa 750 Büchern und 21 Musiktitel mit fast 1000 Musikstücken. Zu den bekanntesten von ihm gedruckten Schriften gehört die Erstausgabe von Nikolaus Kopernikus' "De revolutionibus orbium coelestium" im Jahre 1543. Neben den mathematischen und astronomischen Werken verlegte er auch juristische und theologische Schriften.

  • 1497 Geburt in Langendorf bei Bad Kissingen, nicht verifiziert.
  • 1512 Beginn seines Studium in Basel.
  • 1517 Wurde er in Wittenberg Magister artium.
  • 1519 War er Korrektor bei seinem Onkel Adam Petri (1454 -1527) in Basel
  • 1523 Mai 16 wurde er Nürnberger Bürger.
  • 1523 Als Drucker in Nürnberg tätig.
  • 1526 bis zu seinem Tod 1550 war er als Drucker im Ämterbüchlein eingetragen.
  • 1533 kaufte er das Haus Obere Schmiedgasse 10/Am Ölberg 9.
  • 1533 Brandenburg-Nürnbergische Kirchenordnung. Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1534 Apianus Petrus, "Instrumentus primi mobilis", "De astronomia libri IX", Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1538 Erwarb er auch das Nachbarhaus.
  • 1538 Georg Rithaymer: De orbis terrarum situa compendium. Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1540 Brief von Petreius an Rheticus vom August 1540. Abgedruckt in: Antonius de Montulmo: De IV dicijs Nativitatum liber praecalrissimus.
  • 1541 Jâbir ibn Hayyân [Geber]: "Alchemie". Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1543 Veröffentlichung von Nikolaus Kopernikus Hauptwerk "De Revolutionibus Orbium Coelestium, Libri VI", Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1550 Girolamo Cardano: "De propria vita". Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1544 Michael Stifel: "Arithmetica Integra". Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1545 Girolamo Cardano. "Artis Magnae sive de Regulis Algebraicis Liber I". Verleger Johann Petreius, Nürnberg.
  • 1546 Pharmacopoe, erste amtliche, gedruckte Rezept- und Arzneimittelsammlung. Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • 1550 Girolamo Cardano: "De subtilitate rerum. Libri XXI". Verleger Johann Petreius, Nürnberg
  • Unbekannt:
    Christie, Thony: Wie kam das Hauptwerk des Copernicus nach Nürnberg? Unveröffentlichter Aufsatz.
    Auch hier fehlen sehr viele Daten um den Buchdrucker Johannes Petreius.

    Meine Erkenntnissen:

    Als ich die basler und nürnberger Flugblätter unter die Lupe nahm, ist er mir immer wieder aufgefallen und habe aus verschiedenen Quellen des Internet versucht sein Leben zu ergründen. Dabei bin ich immer wieder auf Basel, Nürnberg und Wittenberg gestossen und auf Gegebenheiten, die nicht aufgehen. Auch auf die Reformation, Martin Luther und seinen Jüngern bin ich gestossen und der Tatsache, dass die luteranische Reformisten nicht unbedingt glücklich mit den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen waren, denn das Hauptwerk des Kopernikus wurde zuerst "kirchengerecht" ausgegeben. Denn der lutheranische Theologe Andreas Osiander (1498-1552) musste vorerst das Werk "lektorieren" bevor es von Petreius gedruckt werden durfte.

    Johannes Petreius kann aber als eine der Schlüsselfiguren des Humanismus und der Herausgabe von wissenschaftlichen Schriften betrachten. Aber richtige Daten über seine Person findet man im Internet nicht.

    1497 Geburt in Langendorf bei Bad Kissingen,, nicht verifiziert.

  • Ist er wirklich 1497 geboren worden?
  • Wer war seine Mutter?
  • Stammt er tatsächlich aus einer reichen Bauernfamilie?
  • Wenn Ja, dann wäre seine Geburt ordentlich registriert worden. Warum weiss man so wenig über diese Geburt?
  • 1512 Beginn seines Studium in Basel.
    Das macht Sinn, denn Basel ist noch heute eine ausgezeichnete Schulstadt. Mit 15 Jahren, aus reichen Elternhaus, da konnte sich man was leisten. Zudem konnte er bei seinem Onkel Adam Petri 1454-1527 wohnen.

    1515 - 1517 hatte Martin Luther in Wittenberg seine "Erleuchtung".

    1517 Wurde Johannes Petreius in Wittenberg Magister artium. JP machte seinen Doktortitel (Magister Artium) in Wittenberg! 800 km mittelarterlichen Wege von Basel entfernt. Er wird - als reicher Bauernsohn - bestimmt ein eigenes Pferd gehabt haben, aber eine solche Reise dauerte damals ca. 1 Monat! Vielleicht Zwischenhalt im Elternhaus in Langendorf. Wäre es nicht einfacher gewesen den Magister Artium in Basel abzulegen?

    Sein Onkel Adam Petri beginnt im 1517 die 1. Reformationsschriften zu drucken. Aber Martin Luther und Johannes Petreius sollen sich ja in Wittenberg aufgehalten haben? Oder ist Johannes Petreius in diesem Jahr direkt nach Basel mit den Aufträgen von Martin Luthers im Gepäck gereist? Von den mehr als 300 Werke aus der Druckerei Adam Petri's, befinden sich 88 Schriften Martin Luthers. Es war erstaunlich, wie schnell Adam Petri Luthers Bibelübersetzung nachdrucken konnte. Obwohl die beiden fast 800 km Wegdistanz trennten. Hat vielleicht Johannes Petreius den Kurier gespielt?

    Martin Luther veröffentlicht seine 95 Thesen am 4.09.1517 und bewirkt somit den Beginn der Reformation. Jedoch war Julius Petreius bereits in Wittenberg und konnte es nicht voraus gewusst haben.

    Matthäus Ratzenberger (1501-1559), der beste Freund Martin Luthers, studierte von 1516-1517 Medizin in Wittenberg und schloss dort sein Studium am 13.10.1517 mit dem Bakkaulaurat ab.

    Wittenberg hatte im 16. Jahrhundert gerade mal 2'000 Einwohner! Wie konnte es sein, dass sich diese 3 Personen (M. Luther, M. Ratzenberger und J. Petreius) sich nicht gekannt haben sollten? Warum findet man darüber keine Notizen?

    1519 War JP Korrektor bei seinem Onkel Adam Petri in Basel. Adam Petri druckte jetzt schon seid 2 Jahren die Schriften Luthers.

    1523 16. Mai wurde JP Nürnberger Bürger. Um sich einzukaufen scheint das nötige Kleingeld einfach da gewesen zu sein. Dieser junge Mann hatte nie ein Geldproblem.

    1523 JP beginnt als Drucker in Nürnberg tätig zu sein. Ungefähr in diesem Jahr heiratet er zum ersten mal, Barbara (?-1545), die Schwester des gleichaltrigen Kollegen Johann Neudörfer d.Ä. (1497-1563).

    1526 bis zu seinem Tod 1550 war JP als Drucker im Ämterbüchlein eingetragen. Jedoch hatte er fast nie theologischen Schriften gedruckt. Das tat sein Onkel Adam Petri in Basel. War es ein Abkommen zwischen den beiden, oder wollte JP nichts von Theologie wissen? JP druckte nur wissenschaftliche Bücher und Musikbücher.


    Ich kann Johannes Petreius so "drehen" wie ich will, aber über sein Leben erfahre ich nichts, obwohl er einer der bedeutensten Verleger Nürnberg gewesen ist. Oder gar der Bedeutenste.

    Warum war er gerade bei der "Erleuchtung" von Martin Luther auch in Wittenberg?

    Woher hatte der Bauernsohn Johannes Petreius so viel Geld um all seine Reisen und Schulbildungen zu finanzieren?

    Was mir vor allem auffällt, er hat nur wissenschaftliche Werke und Musikstücke herausgegeben. Von den echten, theologischen Stücken hat er die Finger gelassen! Zudem müsste er in einer kleinen Stadt von nur 2'000 Einwohnern entweder Martin Luther oder dessen besten Freund Matthäus Ratzenberger über den Weg gelaufen sein. Obwohl alle 3 Personen bekannte Persönlichkeiten sind, findet man vorerst nichts davon.

  • War er vielleicht wirklich nur der beste Drucker und Verleger wissenschaftlicher Werke?
  • Oder war eine Schlüsselfigur im Übergang zur Neuzeit? Der das religiöse Getue bewusst auf die Seite gelassen hat, um sich besser der Wissenschaft zu widmen?